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Fehlerquellen der klinisch-psychologischen Diagnostik

Zunächst einmal ist die entsprechende Kompetenz des/der DiagnostikerIn eine notwendige Basis. Kenne ich mich in einem Feld nicht aus, nehme ich die Anfrage nicht an und leite nach Möglichkeit an entsprechende KollegInnen weiter. Wie bereits in einem anderen Beitrag erwähnt, werden häufig irrelevante Testverfahren angewandt. Jedoch können diese nicht nur verzichtbar, sondern gar ungeeignet für die Beantwortung einer Fragestellung sein. Wahrnehmungsverzerrungen erschweren die notwendige Objektivität des/der DiagnostikerIn. Diese reichen vom Halo-Effekt (einzelne Merkmale einer Person überstrahlen die Wahrnehmung weiterer Merkmale) über die Tendenz zur Mitte (Vermeidung von Extrempolen) bis hin zur Self-fulfilling prophecy (Erwartungen des/der DiagnostikerIn führen zu einem entsprechenden Verhalten des Gegenübers). Demnach ist ein genaues Beobachten und Einordnen ausschlaggebend. Gelingt dies nicht und gerät jemand voreilig in die Interpretation, kann es zu inadäquaten Schlussfolgerungen und somit Falschdiagnosen kommen.

Nachdem eine klinisch-psychologische Diagnostik oftmals lediglich eine Momentaufnahme darstellt, ist die Selbstbeurteilungsfähigkeit der KlientInnen entscheidend. Ist diese nicht in gewissem Ausmaß gegeben und wird dies nicht rechtzeitig erkannt, sind Fehldiagnosen wahrscheinlich. Erinnerungsfehler können ebenso dazu beitragen, wenn Erfahrungen verzerrt erinnert werden anstatt sich Erinnerungslücken bewusst zu werden. Je nach dahinter liegendem Zweck der Diagnostik, sind bewusste Verfälschungen durch die KlientInnen in Betracht zu ziehen. Mitunter sind sowohl Simulationen und Aggravationen als auch Bagatellisierungen und Dissimulationen wahrscheinlich. Somit erweist es sich als notwendig, die Intention und das Setting miteinzubeziehen und entsprechend anzupassen.


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